Management & Organisation | 08.05.2026

Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit

Frank Gfrörer Frank Gfrörer, Sprecher des Vorstands der Blanc & Fischer Group / Foto: Blanc & Fischer Group

Im 100. Jahr der Unternehmensgeschichte erzielte die Blanc & Fischer Group einen Jahresumsatz von 1,11 Milliarden Euro und lag damit knapp unter dem Vorjahr (1,13 Milliarden Euro, -1,5 Prozent).

Frank Gfrörer, Sprecher des Vorstands der Blanc & Fischer Group: „Die große Unsicherheit angesichts der vielfältigen globalen Krisen wirkt sich insbesondere in der schwachen Bautätigkeit aus. Im laufenden Jahr wird der Tiefpunkt bei den Wohnungsfertigstellungen in Deutschland erwartet. Als in der Küchen- und Hausgeräteindustrie tätiges Unternehmen ist diese Marktsituation eine große Herausforderung. Gleichzeitig steigen in der Industrie die Kosten für Arbeit und Material weiter an. Es geht daher nun darum, den Konzern nachhaltig auf Wettbewerbsfähigkeit und damit Zukunftsfähigkeit auszurichten.“

Unterschiedliche Umsatzdynamik in den Geschäftsfeldern

Mit 615 Millionen Euro (- drei Prozent) leistete die E.G.O.-Gruppe den größten Beitrag zum Konzernumsatz. BLANCO erzielte erstmals seit 2022 wieder ein Umsatzplus von zwei Prozent und erreichte 392 Millionen Euro – rund ein Drittel des Konzernumsatzes. B.PRO unterschritt den Vorjahresumsatz um fünf Prozent und erreichte rund 81 Millionen Euro. Bei der regionalen Verteilung der Umsätze zeigt sich die starke Bedeutung der Märkte in Deutschland (mit 27 Prozent stärkster Einzelmarkt) und im restlichen Europa (44 Prozent).

Finanzvorstand Heiko Pott: „Beim Umsatz sind wir unter dem Niveau, das wir vor der pandemiebedingten Sonderkonjunktur hatten. Gleichzeitig sind jedoch Kosten dauerhaft gestiegen und die Wettbewerbsintensität in unseren Branchen hat zugenommen. Trotz umfangreicher Maßnahmen sehen wir daher erheblichen Druck auf unser Ergebnis.“

Vorstandssprecher Frank Gfrörer betont vor diesem Hintergrund die Notwendigkeit einer noch tiefer greifenden Transformation, die die langfristige Wettbewerbsfähigkeit in den Mittelpunkt stellen muss und das Unternehmen für die Zukunft aufstellt: „Deswegen setzen wir die klare strategische Vorgabe mit Blick auf unsere Märkte, auf die Chancen im Kerngeschäft und auf die Wirtschaftlichkeit unserer Aktivitäten.“

Küche bleibt attraktiv: Kerngeschäft bietet Chancen

„Bei aller Marktschwäche: Die Küche bleibt als Geschäftsfeld attraktiv. Wir haben großes Potenzial in verschiedenen Bereichen unseres Kerngeschäfts, beispielsweise in der Aufwertung des Küchenwasserplatzes. Das sieht man etwa bei den Trinksystemen von Blanco, wo wir unsere Umsätze letztes Jahr mehr als verdoppeln konnten“, sagt Frank Gfrörer. Um zusätzliche Nachfrageimpulse zu setzen, hat Blanco im vergangenen Jahr den neuen Markenauftritt realisiert – und damit im Handel und bei den Endverbrauchern für Aufsehen gesorgt. Inzwischen wurde er mehrfach ausgezeichnet.

 Im Geschäft mit der Hausgeräteindustrie stärkt E.G.O. beispielsweise die Induktionstechnik im Einstiegssegment – und reagiert damit auf die Budgetlage der Haushalte. Potenzial bietet außerdem das Geschäft mit der Kleingeräteindustrie. Währenddessen erhält KI, die Technologie zur kabellosen Stromversorgung von Kleinelektrogeräten über Induktionstechnologie, große Aufmerksamkeit in der Branche. Hier ist E.G.O. der erste zertifizierte Anbieter eines Transmitters, der die Energie nach einem bestimmten Standard überträgt. Über das Wireless Power Consortium arbeitet das Unternehmen mit namhaften Herstellern von elektrischen Kleingeräten daran, diese Technologie in die Küchen zu bringen.

Automatisierung von Krankenhausküchen

Mit der zunehmenden Zentralisierung von Kliniken und dem steigenden Sparzwang wächst der Druck auf Krankenhausküchen, was großes Potenzial für Automatisierungslösungen bietet. Die Konzerntochter B.PRO realisiert derzeit ihr erstes software-gestütztes Automatisierungsprojekt für die Großküche eines Universitätsklinikums. Dazu gehören unter anderem das automatische Auflegen von Besteck und Geschirr sowie das Anbringen eines wasserlöslichen QR-Code-Etiketts, das entlang des Küchenbands ausgelesen wird. Frank Gfrörer: „Dieses smarte Projekt hat Vorzeigecharakter, weil es die Herausforderungen der Klinikküchen adressiert und den Mehrwert durchdachter Automatisierung deutlich macht. Mit der Fokussierung von B.PRO auf Speisenlogistik wollen wir dieses Potenzial gezielt nutzen.“

Wettbewerbsfähigkeit heißt auch Wirtschaftlichkeit

Die derzeit entwickelte Konzernstrategie wird nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit des Produktportfolios in den Mittelpunkt stellen, sondern auch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Frank Gfrörer: „Unsere Geschäftsmodelle müssen nachhaltig wirtschaftlich sein. Dieses Transformationsziel erreichen wir nur mit Mut zur nüchternen Betrachtung, klaren Entscheidungen und konsequenter Umsetzung.“

Den Fokus auf Wirtschaftlichkeit unterstreichen auch die im vergangenen Jahr eröffneten Neubauten in Mexiko und Polen. Die Erweiterung für die dort bislang betriebenen Standorte steht für zukunftsgerichtete Investitionen mit zeitgemäßer Großvolumenproduktion anstelle historisch gewachsener Fertigungsstrukturen in kleinem Umfang. Beispielsweise hat die Konzerntochter E.G.O. die nicht profitable Fertigung in Newnan, USA, ins neue mexikanische Werk integriert. Weltweit investierte die Blanc & Fischer Grouprund 65 Millionen Euro und hielt damit das bisherige Investitionsniveau stabil.

Zukunftsfähigkeiten stärken

Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte Blanc & Fischer weltweit 7.380 Menschen (31.12.2024: 7.656). Die Veränderung resultiert im Wesentlichen aus marktbedingten Anpassungen und strukturellen Maßnahmen im Zuge der Transformation. Um das Unternehmen in die Zukunft zu führen, wurden wesentliche übergreifende Zukunftsfähigkeiten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter definiert, die mit einem individuellen Lernzeitkontingent gezielt gestärkt werden. Für die Pilotumsetzung hat dieser intern als „Skill Booster“ bezeichnete Ansatz den renommierten HR Excellence Award gewonnen.

„Insbesondere Digitalkompetenzen sind wichtige Treiber für die noch konsequentere Nutzung von künstlicher Intelligenz“, sagt Frank Gfrörer, betont aber gleichzeitig: „Keine KI ohne zuvor digitalisierte Prozesse und belastbare Daten“. Deshalb hat Blanc & Fischer eine Digitalstrategie initiiert, die konsequent die Voraussetzungen für nachhaltige KI-Nutzung schaffen und damit bessere Marktbearbeitung und geringere Kosten ermöglichen soll.

www.blanc-fischer.com 


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